Kritik Neujahrskonzerte 2014

Mit Schwung und Schmelz: Neujahrskonzert mit Justus Frantz
Von Anna Struck

Kiel. „Justus hoch vier“ gab es am Sonntag im gut besuchten Kieler Schloss. Denn gleich in vier Funktionen konnte man Tausendsassa Justus Frantz erleben: zunächst als gut gelaunten Moderator, der zu allen Werken eine amüsante (wenngleich historisch ziemlich freie) Story zu berichten wusste.
Zudem natürlich als Dirigenten, dem mit Dvorák „Karneval“ Konzertouvertüre op. 92 ein furioser Auftakt gelang. Die bestens aufgelegte Philharmonie der Nation riss das Publikum sofort mit-nicht nur im schlägerstarken Fortissimo (mit hochvirtuosem Tamburin!) sondern ebenso im lyrisch-überirdischen Zwischenteil des Werkes. Anschließend agierte Frantz auch als Pianist – allerdings nicht , wie irrtümlich im Programm angekündigt, in Mozarts C-Dur-Klavierkonzert KV 467, sondern in dessen Vorgänger, dem d-Moll-Klavierkonzert KV466. Dynamisch hätte man den Solopart hier differenzierter gestalten können, insbesondere die Basslinien gerieten häufig allzu wuchtig å la Beethoven. Dass Frantz das Werk recht geradlinig und nicht übertrieben gefühlig gestalte und glänzende Fingerfertigkeit bewies, fiel hingegen ebenso positiv auf wie das auch hier höchst präzise Orchester (ein Ohrenschmaus: die Bassfiguren des Allegro Maestoso). Und schließlich konnte man Frantz auch als Improvisator erleben: nicht nur wegen der spontanen Programmänderung, sondern auch in seiner erstens Zugabe, dem Finale aus Beethovens Sturmsonate op. 31/2, das er nur durch interessante Rettungsmodulationen vor dem Entgleisen bewahrte. Und schließlich in der zweiten Konzerthälfte Konzerthälfte. Die bestand nicht wie im Programm verkündet, nur aus Werken von Johann Strauß Vater & Sohn, sondern enthielt als spontane „Vorsuppe“ auch Frantz von Suppés Ouvertüre der Leichten Kavallerie und Dvoráks 7. Slawischen Tanz op. 72.
Strauß statt gab´s natürlich trotzdem: Unter anderem die Tritsch-Trutsch-Polka, den Kaiserwalzer und den Persischen Marsch, der auf Publikumswunsch gleich noch ein zweites, klatschstark unterstütztes Mal erklang. Auch hier konnte das Orchester aufdrehen: Schwung, Schmiss und Schmelz – von allem war reichlich dabei. Nach Zugabe Nummer drei, dem unverzichtbaren Radetzkymarsch, war dann endgültig Schluss – obwohl das Publikum seinen Justus nur ungern ziehen ließ.

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