16.12.2012 | Neue Osnabrücker Zeitung

Frantz erzählt Chopins Geschichte

Pianistisches Geschenk zur Vorweihnachtszeit in der Alten Molkerei Freren


Freren. Wenn mit Justus Frantz eine große pianistische Legende auf dem Weg von Moskau über Berlin nach Hamburg eine Zwischenstation in Freren einschiebt, dann versteht man ihn dort gern als vorweihnachtliches Geschenk für die voll besetzte Molkerei. Ein hohes Lob auch an die regionale Kulturarbeit, was er nicht zuletzt dadurch unterstreicht, dass er hier zum wiederholten Male gastiert.

In diesem Jahr ist Frantz gekommen, um von der Lebensgeschichte Frédéric Chopins zu erzählen und seine Werke hören zu lassen. Und wie das nur ein lang erfahrener Künstler kann, erzählte Frantz wie von einem alten Freund. Er erzählte von der gar so normalen Kindheit, von dem Weg nach Paris, der Begegnung mit der großen Schriftstellerin George Sand, von seinem krankheitsbedingten Aufenthalt auf Mallorca sowie der Rückreise nach Frankreich.
Man hatte dabei den Eindruck, die ganze Geschichte ereigne sich im Laufe eines einzigen Jahres. Frantz erzählte so packend, stets auf dem Grat zwischen Wissenschaft und Anekdote, dass es eine Freude war, ihm zu folgen. Niemand war hier gewillt, die Details auf Stichhaltigkeit zu überprüfen.
Eingestreut ließ Justus Frantz so einige Klavierwerke erklingen, die sich an Berühmtheit gegenseitig gern zu übertrumpfen versuchten. Sie belegten einerseits die erzählte Geschichte, demonstrierten andererseits die Vielfalt in Chopins kompositorischen Schaffens. Seine Virtuosität, Spritzigkeit und Klanglichkeit, Anmut wie anderen Orts Schwermut vernahm der Hörer; Tiefe und Eindringlichkeit wie auch tänzerische Leichtigkeit.
Dies sind Werke, die verzaubern. Werke, die aus der Hand des Meisters eine wunderbar friedvolle Stimmung zu verbreiten geeignet waren. Dabei geizte der Pianist nicht mit der Vergabe eigener Titel für die Klavierstücke. So erfuhr das Publikum von der „Doppelfalter-Etüde“ oder der „Tennisarm-Etüde“ vor allem aber, dass Chopins Etüden das Schwerste seien, das für Klavier je komponiert wurde. Franz Liszt befand sie einst für zu schwer. Frantz bot sie dar mit einigem souveränen Gefühl für den Klavierklang, mit Wärme und stets frischer Spielfreude. Jedem Ton haftete die Aura eines lang währenden Konzertlebens an.
Als Zugabe und als Hommage an den geliehenen „Feurich“-Konzertflügel in der alten Molkerei gab Frantz den feurigen letzten Satz aus Ludwig van Beethovens berühmter „Mondscheinsonate“. Justus Frantz musste sich dann aber eilig verabschieden, um noch rechtzeitig den Zug um 21.23 Uhr von Osnabrück nach Hamburg zu erreichen. Seine Familie erwarte ihn dort sehnlich, ließ er wissen. Hoffentlich kommt er bald wieder.