20.12.2011 | Münsterländische Volkszeitung

Russische Tradition trifft Bachsche Weihnachtsfreude

Der Moskauer Knabenchor sang mit einer Brillanz und markanten Ausdrucksweise, die jeden Zuhörer fesselte.

Freckenhorst - Ein grandioser Erfolg für Justus Frantz, ein inspirierendes Erlebnis für die vielen Musikliebhaber war das Weihnachtskonzert mit Justus Frantz und dem Moskauer Knabenchor. Nach zwei Jahren erlebte man den Meister des Dirigentenstabes in der Stiftskirche bei der Musik von Johann Sebastian Bach so ganz in seinem Element. Sein Weihnachtskonzert war vielleicht das wunderbarste musikalische Geschenk, das man sich an diesem 4. Advent nur wünschen konnte.

Aber es hieß nicht sofort „Jauchzet, frohlocket“ nach dem Eingangschor aus dem Weihnachtsoratorium aus der Feder von Johann Sebastian Bach, zuerst einmal gab mit der „Suite Nr. 2 h-Moll BWV 1067 für Flöte und Orchester“ die programmatische Zugabe gleich zu Beginn. Die junge Querflötistin Aja Komatsu spielte unter dem umsichtigen Dirigat von Justus Frantz dieses so anspruchsvolle Werk mit Esprit und technischer Finesse.

Dieses allseits bekannte und beliebte Werk erfüllte die Stiftskirche mit einem Klang, der den Interpretationsansatz des Maestros sehr transparent zum Ausdruck brachte. Was er dem begeistert lauschenden Publikum bot, war ein „reiner“ Bach, nicht durch Effekte bereichert sondern ganz so, wie man ihn sich nur wünschen kann. Sensibel ausgestaltete Melodiebögen, stimmige Phrasierungen und Manierismen zwischen Solistin und Orchester, diese Suite war gleichsam eine Lehrstunde meisterhaften Musizierens. Aja Komatsu zeigte sich als brillante Instrumentalistin, deren Badinerie bei ihrer Lebendigkeit und Spielfreude einfach so schnell keinen Vergleich findet. Danach traf dann russische Seele auf Bachsche Weihnachtsfreude. Mit strahlenden Trompetenklängen und wirbelnden Streichern eröffnete der Eingangschor „Jauchzet, frohlocket“, mit leicht russischem Akzent einfach inspirierend gesungen von den vielen Stimmen des Moskauer Knabenchores. Diese in grandiose Musik gesetzte Glaubensaussage erfüllte den Kirchenraum mit aller Kraft. Justus Frantz hatte hier genau den passenden Klangausgleich zwischen Sängern und Instrumentalisten geschaffen, seine Energie übertrug sich wohl direkt auf alle Beteiligten. Die Zusammenstellung aus allen sechs Kantaten des Weihnachtsoratoriums ist Justus Frantz bestens gelungen. Er hat große Sensibilität und Einfühlungsvermögen in den Bachschen Musikkosmos gezeigt, daraus quasi eine ganz markante Chorsuite geschaffen. Unter seinem umsichtigen Dirigat sang der Moskauer Knabenchor mit einer Brillanz und markanten Ausdrucksweise, die jeden Zuhörer nur fesseln kann.

Perfekt gelang auch der Klangausgleich zu den Instrumentalisten der Philharmonie der Nationen, die mit ihrem Spiel die Schönheiten des Werkes besonders klar und deutlich aufzeigen konnte. Dieses Weihnachtsoratorium war in Gedenken dem kürzlich verstorbenen Chorleiter Leionid Baklushin gewidmet, der als Tenor ursprünglich die Rezitative übernehmen sollte. Ein Zeichen der Würdigung für diesen Weggefährten von Justus Frantz war es, dass er selber die Rezitative als Sprecher übernahm.

Der kleine Alexander Orlov präsentierte anstelle von Baklushins Sohn als Solist zwei Alt-Arien, sang sich direkt in die Herzen der Zuhörer. Am Ende gab es einen lang andauernden Applaus für den Moskauer Knabenchor, die versierten Instrumentalisten und für Justus Frantz, der russische Tradition faszinierend mit Bach-scher Weihnachtsfreude vereint hat.

VON AXEL ENGELS