Riesenandrang bei Konzert mit Justus Frantz

Riesenandrang bei Konzert mit Justus Frantz

Mit so einem Andrang an Kulturbegeisterten hatte man angesichts der Kurzfristigkeit des Termins im Arcadia-Hotel Sonnenhof gar nicht gerechnet. Und so mussten noch weitere Stühle herangeschafft werden, um den rund 300 Gästen Platz in der zum Konzertsaal umgebauten Veranstaltungshalle zu schaffen. Die einmalige Möglichkeit, einen Weltstar dieses Formats vor der Haustüre hören zu können, hatte viele auf die Beine gebracht und sie wurden mit jeder Minute eines einzigartigen Konzertabends für ihr Kommen belohnt.

Die Atmosphäre hätte stimmungsvoller nicht sein können – das Sonnenhof-Team hatte sich mit der Ausstattung der Halle wirklich selbst übertroffen. Von Bäumen gesäumt ging es auf dem roten Teppich zur Bühne, auf der wunderschöne Blumenarrangements und Kerzen für einen stilvollen Rahmen sorgten. Durch die Fenster sah man von den Außenanlagen die Fackeln hereinleuchten, so dass beim Anblick des schönen Flügels die Vorfreude auf die Musik wachsen konnte.

Arcadia-Eigentümer Dr. Reinhard Baumhögger, der diese Veranstaltung in Grafenau möglich gemacht hatte, begrüßte Justus Frantz als langjährigen persönlichen Freund und von der ersten Minute, in der Frantz die Bühne betrat, waren die Zuhörer gefesselt von seiner Art. Er strahlte ehrliche Freude aus, in "diesem wunderschönen Haus" Gast zu sein und nahm das Publikum mit auf eine Reise durch das Leben von Wolfgang Amadeus Mozart. Mitreißend erzählte er vom Vater Leopold Mozart, der in seinem vierjährigen Sohn ein Genie entdeckt und fortan dessen Talent mit aller Kraft fördert. Erst in kleinen Ausschnitten spielte er die "Reise-Sonate" des jungen Mozart an, erklärte welcher Teil für welche Erlebnisse im Leben des heranwachsenden Jungen steht. "Wir hatten Mozart vor Augen, fühlten uns richtig in dessen Gefühlsleben versetzt", sagten die Zuhörer schließlich, als Justus Frantz die Sonate spielte – ohne Noten, einfach nur mit unendlicher Hingabe zur Musik.

Weiter ging die Reise schließlich in die Konfliktjahre des jungen Erwachsenen Mozart, die verursacht durch den Generationenkonflikt mit seinem Vater Kompositionen hervorbrachten, die Justus Frantz für sich "die Zornes-Sonate" getauft hatte. Das Publikum hörte gefesselt zu und hing ebenso gebannt an seinen Lippen, als er vor der Pause noch von seinem Israel-Projekt mit der "Philharmonie der Nationen" berichtete, das im Oktober bereits in die 18. Saison geht. Christen, Moslems und Juden durch die Kraft der Musik zu vereinen, eine Aufgabe, die er zusammen mit Leonard Bernstein begonnen hat und die ihm zur Lebensaufgabe geworden ist.

Ein Raunen ging auch durch die Reihen, als Frantz anschaulich erzählte, wie Anna Netrebko – heute eine gefeierte und weltbekannte Operndiva – das erste Mal bei ihm vorgesungen habe, wie er ihr entgegen allen Zweiflern eine Chance gab. Launig blieb die Klassik-Legende auch, als sich in der Pause lange Schlangen vor ihm aufbauten, um sich Karten und CDs signieren zu lassen. "Lernst du ein Instrument?", fragte er alle Kinder. "Dann schreibe ich drauf: Für meine Kollegen".

Musikalisch virtuos ging es auch nach der Pause weiter. "Mozart wird ewig jung bleiben, auch Generationen nach uns noch weiterleben – ganz anders als die akustische Umweltverschmutzung, der wir sonst oft ausgesetzt sind", sagte Frantz und das Publikum konnte diesen Worten während seines Spiels nur zustimmen.

Erst nach mehreren Zugaben von Chopin und stehenden Ovationen wurde Justus Frantz in den gemütlichen Teil der Veranstaltung entlassen, wo er als "Star zum Anfassen" noch bis in die Nacht sitzen blieb und die Köstlichkeiten des Dessert-Buffets genoss. Alle, die an diesem Abend in Grafenau dabei sein konnten, werden sein Spiel und seine unendlich beeindruckende Persönlichkeit sicher nachhaltig im Gedächtnis behalten.