24.02.2012 | Der Westen

Altena. Bei seinem Auftritt im Burggymnasium in Altena hatte Pianist Justus Frantz mit den Tücken des Flügels zu kämpfen: Die Pedalaufhängung war beschädigt und wackelte, außerdem war das Quietschen der Pedale teilweise lauter als die gespielten Töne.

Mozarts Weg in die Unabhängigkeit war alles andere als leicht, wie Justus Frantz den 200 Besuchern im Burggymnasium eindrucksvoll zu schildern wusste.

Auch der international erfolgreichen Pianist und Dirigent, der auf Einladung des Kulturringes am Freitag seinen Klavierabend „Mozarts Reise nach Paris“ in der Burgstadt präsentierte, hatte mit außergewöhnlichen Problemen zu kämpfen. Denn der Flügel, auf dem der Weltstar der Klassik Mozarts frühe Sonaten spielen sollte, wies gleich mehrere Mängel auf.

Dass der Klavierstimmer, der vorab für den guten Ton des Instruments sorgen sollte, offensichtlich grob geschlampt hatte, wie Justus Frantz amüsiert feststellte, war da noch das kleinste Übel.

Pedalaufhängung beschädigt
Die Lyra, die Pedalaufhängung des Klaviers, war beschädigt und wackelte ständig unter den Füßen des virtuosen Pianisten hin und her. Auch die Pedale quietschten und klemmten, was das Instrument eigentlich für eine hochkarätige Aufführung der Sonaten in F-Dur, a-moll und A-Dur fast unbrauchbar machte. Justus Franz jedoch bemerkte salopp, dass auch die Instrumente zu Zeiten Mozarts nicht immer von den Künstlern im tadellosen Zustand vorgefunden worden wären und machte sich daran, die Bestie in Klaviergestalt zu bändigen.

Spontan passte der 67-Jährige sein Spiel dem widrigen Material an und verschaffte so den Klassik-Freunden doch noch einen gelungen Konzertabend. Auch bei Passagen, bei denen das Quietschen der Pedale deutlich die gespielten Töne an Lautstärke überbot, behielt der Profi am Klavier einen kühlen Kopf. Kurzum erklärte Justus Frantz den lädierten Flügel zu seinem Gegenspieler auf der Bühne. Für das Publikum war dies der Beginn des wohl heitersten Klassikkonzertes, das je in der Burgstadt zu erleben war. So beendete Frantz seine erstklassige Darbietung von Mozarts längster Sonate (F-Dur KV 332), mit einem anschließenden Blick unter das Klavier.

Auf den Knien rutschte der Star des Abends über den Bühnenboden, um die beschädigte Lyra genau in Augenschein zu nehmen. Nach kurzer Einschätzung des Schadens wand er sich wieder dem Publikum zu und überlegte laut, ob denn ein Taschentuch an richtiger Stelle den Defekt beheben könnte.

Improvisierte Comedy
Spätestens jetzt herrschte in den Reihen der Zuhörer lautes Gelächter. Neben bezaubernden Tönen und Einsichten in das Leben Mozarts überraschte Frantz nun auch mit seinen Qualitäten als Entertainer. Charmant improvisierte der Künstler ein begleitendes Comedy-Programm.

In der Pause gab es Autogramme für die Zuschauer – und etwas Maschinen-Öl die quietschenden Pedale des Klaviers. Der Erfolg dieses Unterfangens war allerdings nur von kurzer Dauer, denn schon beim ersten Test der Pedale durch den zurückgekehrten Justus Frantz bestand der Flügel ein Probeanspiel nicht ohne erneut Störgeräusche zu verursachen. Schnell eilte Ulrich Freschkowski erneut mit der Rettung verheißenden Öl-Flasche zur Bühne.

Zwei Musiker unter einem Flügel liegend: Das war einfach zu viel für die Besucher. Tobender Applaus der belustigten Gäste begleitete die notdürftige Klavierreparatur. Ebenfalls hervorragend gelaunt brachte Frantz den ungewöhnlichen Abend mit Mozarts Sonate in A-Dur KV 331 zum Abschluss.

Fabian Paffendorf