28.02.2012 | Schenefelder Tageblatt

SCHENEFELD. Klassik zieht nicht? Oh, doch. Am Sonntag zog es die Zuschauer zu Hunderten ins Schenefelder Forum. Allerdings bedurfte es dazu auch zweier Weltstars wie Justus Frantz und Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), um die Konzertreihen zu füllen. Vor der Veranstaltung des Fördervereins Forum standen die Besucher Schlange, um die letzten Karten zu ergattern. Bis auf wenige Plätze war am Ende alles ausverkauft.


Umjubeltes Fest für die Sinne

Und nicht nur die Klassikfans waren am Ende vom Forum überzeugt. "Wenn ich früher gewusst hätte, das Schenefeld so einen wunderschönen Konzertsaal hat, wäre ich als Intendant des Schleswig-Holstein Musik Festivals öfters hergekommen. Leider ein wenig zu spät, da ich jetzt nur wenig Einfluss auf die Geschicke habe", erklärte Justus Frantz.

Der Auftritt des Klassik-stars war ein Fest für die Sinne. Er nahm sein Publikum mit auf eine Reise nach Paris. Auf Mozarts Weg in die Unabhängigkeit führte der Weltstar in anschaulicher Weise durch ein Stück Zeitgeschichte. Beeindruckend: die Stücke des jungen Mozarts. Mit viel Einfühlungsvermögen entfaltet der Gründer der Philharmonie der Nationen die umfangreichen Facetten der drei Klaviersonaten F-Dur, KV 332, a-Moll, KV 300 d, und A-Dur, KV 300 i. In der a-Moll Sonate arbeitete er die harten Töne heraus und veranschaulichte, wie avantgardistisch Mozart in seinen frühen Jahren arbeitete. Nicht ohne Grund nannte er es Zornes Sonate. Das Stück wirkte geradezu aggressiv im Vergleich zu den sonst so eingängigen Melodien des Mozarts.

Mit der Sonate in F-Dur zeigte er den jungen Mozart, wie man ihn kennt. Die Reisesonate, wie Justus Frantz das Klavierstück taufte, gab sich beschwingt und leicht. Eingänge Melodien, die in ihren klaren und hellen Tönen bezauberten.

Ein orangenes Gerbera-Gesteck, einen Kronleuchter und ein mächtiger Yamaha-Flügel: Es bedurft nicht vieler Requisiten, den international anerkannten Künstler in Szene zu setzen. Mit knallroter Brille auf der Nase und im legeren Anzug ohne Fliege zog Frantz das Publikum in den Bann. Sein Spiel war unvergleichlich virtuos. Allerdings: Sein Vortrag und die Einführung in die Stücke war wohl für so manchen echten Klassikfan zu oberflächlich. Für Einsteiger war es dagegen ein gut gemachter Einblick in Mozarts Leben zurzeit seines Durchbruchs am Hof von Versailles.

Das Publikum war begeistert. Mit stehenden Ovationen feierten die Schenefelder den Pianisten und Dirigenten, dessen Passion es ist, die klassische Musik als Kulturerbe zu erhalten und in die nächste Generationen weiter zu tragen. Die hatte er auch gleich selbst mitgebracht. In der Pause gab Frantz Autogramme und unterhielt sich fröhlich mit seinen Fans. An seiner Seite: sein fünfjähriger Sohn Justus Konstantin, Jujascha genannt, der fleißig seine Unterschrift neben die seines berühmten Vaters setzte.